Weitergedacht #21 - Die Ziele unserer Altersversorgung sind zeitlos. Doch was braucht es heute, um sie zu erreichen?

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Worum es in diesem Essay geht

Renten und Pensionen werden oft vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten diskutiert. Doch vielleicht beginnt die eigentliche Debatte schon viel früher – bei der Frage, welche Aufgaben unsere Altersversorgung heute überhaupt erfüllen soll.

Im dritten und letzten Teil dieser Reihe geht es deshalb weniger um einzelne Reformvorschläge als um einen Perspektivwechsel. Sind die Ziele unserer sozialen Sicherungssysteme noch dieselben wie zu Zeiten von Bismarck und Adenauer? Und wenn ja: Passen die Werkzeuge, mit denen wir sie erreichen wollen, noch zu den Lebensrealitäten des 21. Jahrhunderts?

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Im ersten Teil dieser Reihe ging es um die Entstehung von Renten und Pensionen. Im zweiten Teil um die Frage, warum der Staat überhaupt Menschen verbeamtet und ob die ursprünglichen Gründe für den Beamtenstatus heute noch dieselbe Bedeutung haben wie vor 50 oder 100 Jahren.

Heute möchte ich den Blick noch etwas weiter öffnen.

Wenn wir heute noch einmal ganz von vorne anfangen könnten – womit würden wir beginnen?

Mit Paragraphen?
Mit Geld?
Mit neuen Gesetzen?

Oder würden wir zuerst eine ganz andere Frage stellen:

Sind die Ziele von Bismarck, Adenauer & Co. in der heutigen Zeit noch erstrebenswert?

Die Antwort lautet für mich: Ja.

Denn wir wollen auch heute

  • Menschen im Alter vor Armut schützen.
  • einen handlungsfähigen Staat erhalten.
  • Vertrauen in unsere sozialen Sicherungssysteme schaffen.
  • und dafür sorgen, dass all das auch für kommende Generationen finanzierbar bleibt.

Die Ziele sind also weitgehend dieselben geblieben. Was sich verändert hat, sind die Rahmenbedingungen.

Wenn wir die Altersversorgung heute neu denken, müssen wir uns deshalb fragen:

Welche Aufgaben muss ein Renten- und Versorgungssystem heute eigentlich erfüllen?

Passen die vorhandenen Werkzeuge noch zu den Aufgaben unserer Zeit?

Die erste Antwort liegt auf der Hand: Das System soll Menschen vor Altersarmut schützen. Das war vor 140 Jahren richtig und ist es bis heute geblieben.

Es soll aber auch finanzierbar sein – nicht nur heute, sondern auch für kommende Generationen. Angesichts einer steigenden Lebenserwartung, späterer Berufseintritte und einer alternden Gesellschaft ist das vermutlich eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Hinzu kommt: Unsere Lebensläufe verlaufen heute längst nicht mehr so geradlinig wie früher. Studium, Teilzeit, Selbstständigkeit, Berufswechsel, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Leben dazu.

Ein modernes System muss deshalb sehr unterschiedliche Lebenswege berücksichtigen können.

Damit sind wir bei einem Punkt, der mich seit Wochen und Monaten immer stärker beschäftigt: der Care-Arbeit.

Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen ist keine private Nebensache. Ohne diese Arbeit würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Sie taucht zwar in vielen Diskussionen über Altersvorsorge immer wieder auf, man kennt das Problem, bekommt es aber nicht so recht zu packen. Vielleicht liegt das auch daran, dass vieles von dem, was täglich von Eltern und vor allem pflegenden Angehörigen geleistet wird, kaum sichtbar ist.

Ein gutes Leben im Alter besteht aus mehr als einer guten Rente oder Pension.

Es hängt auch davon ab, ob Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können. Ob sie bezahlbaren Wohnraum haben. Unterstützung finden, wenn sie gebraucht wird. Mobil bleiben. Teil einer Gemeinschaft sind und nicht in Einsamkeit geraten.

Wir diskutieren viel und oft über Renten und Pensionen, obwohl sie nur ein Werkzeug unter mehreren sind. Ich frage mich deshalb:

Passen die vorhandenen Werkzeuge noch zu den Aufgaben unserer Zeit?

Manche Werkzeuge haben sich bewährt und verdienen es, erhalten zu bleiben.
Andere müssen an neue Lebensrealitäten angepasst werden.
Und für einige Herausforderungen brauchen wir sicher ganz neue Ideen.

Eine Reform verbessert oft ein bestehendes Werkzeug. Eine Innovation beginnt mit der Frage, ob das verfügbare Werkzeug überhaupt noch funktioniert,

Ich habe diese kleine Reihe mit einer historischen Reise begonnen. Am Ende hat sie mich an einen anderen Punkt geführt. Weg von der Frage, wie Renten oder Pensionen im Detail verändert werden sollten, hin zur Überlegung:

Welche Aufgaben müssen unsere sozialen Sicherungssysteme erfüllen, damit Menschen auch in Zukunft ohne Not alt werden können?

Und: Was können wir als Gesellschaft selbst dazu beitragen, einige Risiken des Alterns und Alters zu reduzieren?

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